Scharoun verwies hinsichtlich der Grundlagen seiner Architektur immer wieder auf die Theorien Hugo Härings. Als Verfechter der "Organform" schrieb dieser 1925: "Wir haben nunmehr die Entdeckung gemacht, dass viele Dinge, einer reinen Zweckerfüllung bereits eine Gestalt besitzen, die unseren Ansprüchen an einen Ausdruck vollkommen genügt, und dass viele Dinge, die einer reinen Zweckerfüllung wegen gestaltet werden, unseren Ansprüchen an Ausdruck umso besser entsprachen, je besser sie denen an einer reinen Zweckerfüllung entsprachen."
Das organische Bauen "führt" danach zu einer Formgebung, welche eine neue Entfaltung der individuellen Kräfte des Menschen gestattet, und offenbart diese Kräfte im Vorgang. Dem Haus wird der Charakter eines Organs beigemessen, weil in ihm ebenso wie in den natürlichen Organen Vorgänge stattfinden. Die Räume eines nach dem organischen Prinzip entstandenen Hauses folgen ihrem dienendem Auftrag. Sie erhalten ihre Gestalt vom Wohnenden, von seinem Wohnen her, sie gehören dem Leben an und nehmen an ihm teil. Sie werden wesenhaft. So entsteht eine enge Beziehung zwischen dem Gebauten und dem Menschen, weil der Bau frei von Vorgefasstem ganz zu dem finden kann, was er seiner Aufgabe nach zu sein hat.
Die Theorie vom organischen, wesenhaften Bauen bildet die theoretische Grundlage zum Bau des Haus Schminke. Bei der Bezeichnung der Plantitel greift Scharoun mit "Landhaus" aber auch auf die Bezeichnung eines Haustyps zurück, der eng mit der modernen Wohnkultur des wohlhabenden Bürgertums vor dem Ersten Weltkrieg - mit der "Landhausbewegung" und ihrem wichtigsten Propagandisten, dem Architekten Hermann Muthesius verbunden war.
Die damalige Vorstellung vom "Landhaus" als vermittelndes Instrument zwischen Mensch und Natur findet sich im Haus Schminke beispielhaft umgesetzt. Im Südwesten orientiert sich das Haus mit der Vorfahrt vom Fabrikhof aus, dem Wirtschaftshof, dem gelb gemauerten, großen Schornstein, der weißgeputzten, geschlossenen Wand des Wirtschaftsteils und den rot gestrichenen Fenstern ganz an der Fabrik - nach Nordwesten hin dagegen scheint sich das Haus aufzulösen und durch die teilweise verschiebbaren, raumhohen Glaswände, Terrassen und Treppen zu verwachsen mit dem Garten und der anschließenden Landschaft. Der Schattenwurf des in die Wohnräume einfallenden, sich bewegenden Sonnenlichts ist beim Entwurf ebenso mitbedacht, wie die Regulierbarkeit des Raumklimas im Innern durch die Licht und Wärme transformierenden Südfenster, die hölzernen Rollläden, Bastmatten und Lüftungsflügel.
Das Haus Schminke ist nicht von einem Punkt aus, sondern nur durch die eigene Bewegung zu erfahren, eine Bewegung, in der sich das Haus mit jedem Schritt den man geht verändert. Zu dieser Bewegung treten andere Bewegungen. Einerseits ist es die Beweglichkeit der Schiebewände, Vorhänge, Türen und Fenster, die es ermöglichen, den Raum zu verändern und der Nutzung anzupassen, andererseits ist es die Veränderung des Lichtes, die den Raum belebt. Tagsüber ist es das unterschiedliche Sonnenlicht, nachts das elektrische Licht, das den Raum füllt und mit Schatten durchzieht. Die Architektur des Haus Schminke lässt sich als "dynamische Architektur" beschreiben, eine Architektur, die durch Bewegung lebt und nur in der Bewegung zu erfahren ist.