von Heinrich Lauterbach
"Im Jahre 1925 war ich zur Werkbundausstellung in Bremen. Richard Riemerschid hielt seine wunderbare Rede über die Liebe, ohne die all unserer Werken umsonst sei. ... Es wurde auch ein Ausflug gemacht zur Besichtigung eines Fabrikbaus im Oldenburgischen. Zur Rückfahrt am Abend fand ich einen Platz vorn in einem Auto, in dessen dunklem Fond bereits zwei Herren saßen, deren glühende Zigarren das Einzige war, was ich erkennen konnte. Die beiden wechselten ab und zu einig Worte und lachten dabei unaufhörlich. Ich dachte, in welch alberne Gesellschaft bist du da geraten. Als ich während der Fahrt einige Worte hin und wieder verstand und die Lichtquelle der Zigarren im Dunkel hin und herfahren sah, kam mir die Assoziation der zwei Irrlichter in Goethes Märchen, die immer lachend und sich schüttelnd Goldstücke um sich streuen.
Als der Wagen hielt, entstiegen ihm zwei stattliche Herren, die nun ihre Namen nannten: Hans Scharoun und Kurt Schwitters. ...
Nach jenem ersten Zusammentreffen in Scharouns Heimatstadt Bremen begegneten wir uns wieder 1926 in meiner Heimatstadt Breslau, als Scharoun an die Kunstakademie berufen wurde. Ich hatte als Vorsitzender der schlesischen Werkbundgruppe die Ausstellung Wohnung und Werkraum (WUWA) eingeleitet. Dafür arbeiteten wir bald miteinander. Daraus wurde eine lebenslange Freundschaft. Ich erfuhr allmählich seinen Werdegang."
Heinrich Lauterbach im Katalog der 1967 von der Berliner Akademie der Künste veranstalteten Ausstellung "Hans Scharoun".