Der Bau des Hauses Schminke stand in engem Zusammenhang mit der Firma Loeser & Richter, oder wie die Löbauer liebevoll sagten, "Nudelei".
1874 gründeten die Herren Loeser und von Kescycki unter dem Namen "Loeser & Co." eine Teigwarenfabrik. Bereits ein Jahr später trat von Kescycki wieder aus der Firma aus.
Mit dem Namen des neuen Teilhabers entstand der bis 1946 geführte Firmenname "Loeser & Richter". In den ersten Jahren produzierte die Firma nur in gemieteten Räumen, bis sie 1899 ein Grundstück an der Äußeren Bautzner Straße erwarb und darauf ein eigenes Gebäude errichtete. Dieses wurde im Jahr 1900 bezogen.
Bereits 1881 bekamen die Produkte die Handels- und Schutzmarke "Anker", mit der sich die Löbauer Nudeln rasch zur weltbekannten Marke entwickelten. 1904 kaufte schließlich der Glauchauer Textilfabrikant Wilhelm Schminke die Firma. Die Fabrik wurde unter seiner und ab 1920 unter Leitung von Fritz Schminke weiter ausgebaut und modernisiert. Mit der Entwicklung zum Markenartikel ging man auf einheitlich ausgerichtete Verpackungen in den Farben Blau und Orange über. Wenig später wurde "Loeser & Richter" zur ersten deutschen Nudelfabrik, die ihre Produkte in Cellophan eingepackt anbot.
Nach umfangreicher Planung unter Federführung Hans Scharouns wurde in den Jahren 1934 bis 1935 die Fabrik-Fassade an der Äußeren Bautzner Strasse umgestaltet. Zum damals beabsichtigten vollständigen Umbau der Fabrik kam es nicht. Es entstanden aber umfangreiche Sozialräume, eine Betriebsbibliothek, eine Ausleihstation für Urlaubsutensilien, eine Kantine, eine Betriebsküche, ein "Gefolgschaftsgarten" zur Pausenerholung und völlig neuartige Sanitäranlagen mit Spülklosett und Duschen für die Mitglieder des "Anker-Familienkreises", wie die Mitarbeiter liebevoll genannt wurden.
Von 1934 bis 1939 wurde die hauseigene Zeitschrift "Nach Ladenschluss" für Kolonial- und Feinkosthändler herausgegeben und kostenlos verteilt. Das Blatt befasste sich in erster Linie damit, dem Einzelhandel Warenkunde, Verkaufskunde, Werbemöglichkeiten und Anregungen für die Umsatzsteigerung zu vermitteln. "Nach Ladenschluss" erreichte eine Auflage von bis zu 10.000 Stück.
1939 wurde Joachim Schminke Betriebsführer, da sein Bruder zum Kriegsdienst einberufen wurde. Loeser & Richter beschäftigte zu dieser Zeit ca. 280 Männer und Frauen. Seit Kriegsausbruch unterrichtete die "Anker-Feldpost" alle zum Wehrdienst einberufenen "Ankerianer" über Neuigkeiten innerhalb und außerhalb der Fabrik. Die "Anker-Feldpost" ist Zeugnis eines außergewöhnlichen Zusammengehörigkeitsgefühls der Belegschaft.
Mit Ende des Zweiten Weltkrieges unterband Mangel an Mehl zunächst jede weitere Teigwaren-Produktion. Zur Beschäftigung der Belegschaft wurden deshalb vorübergehend Spielsachen und Handtaschen hergestellt. Erst ab Sommer 1945 kam mit Lohnaufträgen für die "Rote Armee" und Privatleute die Produktion allmählich wieder in Gang. Um die Fabrikkapazitäten besser auszulasten, wurde auch die Lohntrocknung von Obst und Gemüse in den vorhandenen Teigwaren-Trockenschränken angeboten.
Am 1. Juli 1946 wurden die Brüder Fritz und Joachim Schminke unrechtmäßig von ihrer Fabrik enteignet. Da Loeser & Richter unter anderem auch an die Deutsche Wehrmacht lieferte, galten die Unternehmer als "Kriegsverbrecher". Fritz Schminke befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in russischer Kriegsgefangenschaft.
Die Firma wurde zum "Volkseigenen Betrieb (VEB) Anker-Teigwaren". In den Nachkriegsjahren steigerte sich allmählich wieder die Produktionsmenge und erreichte schon 1948 den größten Warenausstoß seit Gründung der Fabrik. Anfang der fünfziger Jahre wurden wieder in größerem Umfang Kleinpackungen unter der Marke "Anker" und in den althergebrachten Hausfarben auf den Markt gebracht. Die infolge wirtschaftlicher Umstrukturierungen der volkseigenen Betriebe in der DDR erfolgte Kombinatsbildung, ließen die Anker-Teigwarenfabrik in den folgenden Jahren zwar wachsen, hatten aber zunehmend zur Folge, dass notwendige Modernisierungs- und Werterhaltungsmaßnahmen ausblieben. Die Produktionsmenge begann wieder zu sinken.
Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde die Anker-Teigwarenfabrik in eine GmbH umgewandelt. Leider gelang es nicht, einen Investor für das Traditionsunternehmen zu finden. Somit ging 1992 eine 118-jährige Firmengeschichte zu Ende. Das ursprünglich äußerst erfolgreiche Markenprodukt "Anker" gibt es nicht mehr.